Das Deutsche Nationaltheater: Kultur und Bildung

Das Deutsche Nationaltheater befindet sich auf dem Theaterplatz 2 in Weimar und liegt somit zentral in der Stadtmitte. Es wurde im Jahr 1908 eröffnet und zählt heute zu den bedeutendsten Kulturstätten der Stadt. Es ist Spielstätte für Schauspiel, Musiktheater und Konzerte. Darüber hinaus finden dort zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, darunter Aufführungen der Staatskapelle Weimar. Während der NS-Zeit wurde das Deutsche Nationaltheater jedoch auch für politische und ideologische Zwecke genutzt.

Historie NS

Im Juli 1926 fand im Deutschen Nationaltheater der erste Reichsparteitag der NSDAP nach ihrer Neugründung statt, an dem Adolf Hitler persönlich teilnahm. Die Wahl des Veranstaltungsortes war bewusst getroffen worden, da das Theater als Ort der Weimarer Klassik und der Verabschiedung der Weimarer Reichsverfassung von 1919 eine besondere symbolische Bedeutung besaß. Diese historische Vergangenheit nutzten die Nationalsozialisten gezieltmfür ihre eigene politische Inszenierung und zur deuteten die Bedeutung des Ortes im Sinne ihrer Ideologie um. Nach der Machtübernahme forderte das Regime die „Säuberung“ des Spielplans, wodurch jüdische sowie politisch missliebige Künstler aus dem Theater ausgeschlossen wurden. Zudem wurden klassische Werke, insbesondere die Dramen Friedrich Schillers, im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umgedeutet. Adolf Hitler unterstützte das Deutsche Nationaltheater finanziell mit dem Ziel, es zu einer der führenden Bühnen des Deutschen Reiches auszubauen.

Schillerfestwoche 1934

Während der NS-Zeit wurden die Werke Schillers von den Nationalsozialisten für ihre eigene Ideologie umgedeutet und genutzt. Die Beschäftigung mit seinen Werken war im schulischen Bereich verpflichtend. Um Schillers Bedeutung im Sinne der nationalsozialistischen Vorstellungen hervorzuheben, fanden große Veranstaltungen für die Jugend und die Bevölkerung statt. Die Schillerfestwoche wurde vom 11. bis zum 20. November 1934 durchgeführt und fand bereits in den Jahren zuvor sowie auch in den folgenden Jahren statt. Der erste Tag des Festes wurde ausschließlich für die Jugend gestaltet. Vor dem Schiller-Denkmal auf dem Theaterplatz hielt der Staatsminister eine Ansprache, mit dem Ziel, eine Verbundenheit der Bevölkerung mit Schiller und den nationalsozialistisch umgedeuteten Werken herzustellen. Außerdem sangen die Jugendlichen alle gemeinsam bei dieser Veranstaltung Lieder. An Schillers Geburtstag, dem 10. November, wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, gemeinsam durch die Schillerstraße zu ziehen. Dabei führte der Weg auch an Schillers Wohnhaus vorbei, bei dem sein Arbeitszimmer im Dachgeschoss mit demselben Licht beleuchtet wurde, welches Schiller damals nutzte. Dieses sogenannte „ewige Licht“ sollte symbolisch an Schiller erinnern und seine dauerhafte Bedeutung hervorheben.

Reichsführerlager der Hitlerjugend 1937

Die Nationalsozialisten organisierten regelmäßig das Reichsführerlager der Hitlerjugend, um die Führer für ihre Arbeit zu ehren und sie alle gemeinsam ein einem Ort zu versammeln. Im Jahr 1937 fand dieses vom 20. bis zum 30. Mai in Weimar statt. Bereits am 19. Mai trafen rund 1300 Führer der Hitlerjugend ein, die während des Zeitraums gemeinsam in Zelten im Goethe-Park übernachteten, um ihre Kameradschaft zu stärken. Bei der Ankunft der Führer wurde die Bevölkerung in der Presse dazu aufgerufen, ihre Häuser mit Flaggen zu „beschmücken“ und den Teilnehmern einen herzlichen Empfang zu bereiten. Die Eröffnungsfeier fand am 20. Mai im Deutschen Nationaltheater statt, bei der unter anderem der Reichsjugendführer Baldur von Schirach eine zweistündige Ansprache hielt. Er selbst übernachtete zunächst eine Nacht im Hotel Elephant, verbrachte die restlichen Nächte jedoch gemeinsam mit den anderen Führern im Zeltlager. Die gemeinsame Unterbringung und das gemeinsame Lagerleben stellten die Gemeinschaft innerhalb der Führerschaft in den Mittelpunkt. Das DNT wurde damit auch zu einem Veranstaltungsort, an dem die Führung der Hitlerjugend öffentlich in Erscheinung trat.

Sichtbarkeit

Die Sichtbarkeit der Nutzung des Deutschen Nationaltheaters im Nationalsozialismus ist eingeschränkt. In Weimar sind keine Informationstafeln vorhanden und auf der Online Website gibt es lediglich einen kurzen Text über die Nutzung in der NS-Zeit allgemein, jedoch keine speziellen Informationen über die Nutzung durch die Hitlerjugend.