Das Vereinshaus Armbrustschützen: Wiege der Hitlerjugend

Geschichte der Armbrustschützen

Armbrustschützen bewachten nachweislich seit 1398 die Stadt Weimar. Ein Verein der Büchsen- und Armbrustschützen wurde vermutlich 1436 gegründet. 1585 trennten sich die beiden unterschiedlichen Schützen.

Ein Haus mit großen Möglichkeiten

Der Armbrustschützenverein war dem Bürgertum vorbehalten und hatte über die Zeit viele bekannte Ehrenmitglieder wie Goethe, Schiller, Carl August und Maria Pawlowna. 1765 bezog der Verein ein Gebäude in der Teinergasse, später Schützengasse. 1838 wurde das heutige Gebäude als Vereinshaus der Armbrustschützengesellschaft als klassizistischer Bau errichtet und hatte einen großen Saal, viel Räume und im Garten angelegte Schießanlagen und eine Kegelbahn. Es liegt zentral im Stadtzentrum von Weimar und war daher für alle Bürger gut erreichbar.

Das Haus wurde nicht nur für den Sport genutzt, sondern bildete mit vielen kulturellen Veranstaltungen wie Theater, Festbällen, Vogelschießen und Kinoabenden eine Begegnungsstätte für die wohlhabenden Bürger Weimars und auswärtigen Personen. Der große Saal der Armbrust war offen für private und öffentliche Veranstaltungen und das ganze Gebäude mit seinen Räumlichkeiten und dem Garten fanden großen Anklang und wurde vielseitig genutzt.

Nutzung durch die Nationalsozialisten

Während der Zeit des Nationalsozialismus wandelte sich der Verwendungszweck des Gebäudes von gesellschaftlich zu politisch. So mietete die Weimarer NSDAP-Ortsgruppe zwischen 1932 und 1935 den großen Saal um ihre Ideologie und Propaganda bei Versammlungen und Tagungen zu verbreiten.

Namensgebung-Hitlerjugend

Anlässlich des Parteitages der NSDAP am 04.Juli 1926 im Weimarer Nationaltheater, wurde zeitgleich in der Armburst eine Veranstaltung für die Jugend abgehalten. An diesem Tag erhielten die verschiedenen völkisch-nationalen Jugendbewegungen einen einheitlichen Namen – „Hitler-Jugend“. Dies sollte nicht nur die Verbundenheit, Kameradschaft und das Gemeinschaftsgefühl der Jugendlichen untereinander fördern, sondern dies sicherte vor allem die Art und Weise, wie die Jugendlichen erzogen und geführt werden sollten. Nach der Machtergreifung Hitlers verbot dieser alle anderen politischen, religiösen und sozialen Jugendbewegungen. Somit wurden die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel zu den einzigen Jugendorganisationen unter der Schirmherrschaft der NSDAP. Nun konnten die außerschulischen Aktivitäten der Jungend noch besser kontrolliert und die nationalistische Denkweise verankert werden.

Zum Gedenken an diesen Tag der Vereinigung zur Hitlerjugend wurde eine Gedenktafel am Gebäude angebracht. Zum 15-jährigen Jubiläum zur Namensgebung der Hitlerjugend wurde am 04.Juli 1941 eine Gedenktafel an der Fassade angebracht. Der Zeitpunkt der Entfernung dieser Tafel, liegt zwischen 1941 und 1945. Es ist nicht bekannt, wer diese Tafel entworfen hat und ob diese Tafel noch existiert, zerstört wurde oder von wem sie entfernt wurde.

Das Haus nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach der Kapitulation Hitlers und dem Einzug der Alliierten wurden Waffen aller Art verboten und alle Schützenvereine wurden zu diesem Zeitpunkt aufgelöst. Das betraf auch die Armbrustschützengesellschaft, die außerdem durch die Bodenreform der Sowjetischen Besatzungszone enteignet wurde.

Das Vereinshaus ging in das Eigentum der Stadt Weimar über. 1960 wurde das Gebäude der Öffentlichkeit wieder zugängig gemacht. Es entstand ein Kino, welches mit seinen sieben Kinosälen die Besucher noch heute zu einem Besuch einlädt.

Sichtbarkeit

Leider gibt es am und im Gebäude keine Informationstafel zur Geschichte des Hauses, seiner Entstehung und seiner Nutzung. Die Informationen die man im Internet abrufen kann, sind nicht vollständig und aussagekräftig. Auch die Mitarbeiter des Cinestar-Kinos konnten keine Auskunft über die Historie des Gebäudes geben. Daraus lässt schließen, dass die Geschichte und somit auch die Benennung der Hitlerjugend dieses Gebäudes bereits in Vergessenheit geraten ist.